Gewandhausquartett Leipzig
Andreas Lehnert – Klarinette
Ludwig van Beethoven
Streichquartett B-Dur op.130
Johannes Brahms
Klarinettenquintett h-moll op.115
Schwanengesänge
Zwei Spätwerke haben die Konzertmeister und Solisten des Leipziger Gewandhauses im Gepäck. Beethovens B-Dur Quartett op.130 ist nach dem Urteil von Zeitgenossen das „heiterste und lichtvollste der letzten Quartette des Meisters“. Nachdem der letzte Satz beim Premierenpublikum in Wien jedoch Unverständnis und Protest auslöste, ersetzte er die gewichtige Fuge durch ein leichtfüßigeres Rondo, übrigens seine letzte vollendete Komposition. Bei unserer Matinee wird dieses Allegro gespielt, auch als Beitrag zu der bis heute nicht beendeten Diskussion über die Wahl des richtigen Schlußsatzes. Mit dem Klarinettenquintett von Johannes Brahms erklingt ein Schwanengesang von unwiderstehlich wehmütigem Reiz, des Meisters „Abschied von der schönen Welt“ in gefühlssatter Harmonik und Klanglichkeit.
Termine und Karten
Sonntag, 17. Januar 2027, 11:00 Uhr
Weißer Saal im Neuen Schloss Stuttgart
Besetzung
Gewandhaus-Quartett
Die Geburtsstunde des Gewandhaus-Quartetts schlug im Jahr 1808, als der Violinist August Matthäi begann, mit drei weiteren Musikern des Gewandhausorchesters Quartettabende zu veranstalten. Somit kann das Gewandhaus-Quartett heute auf eine Geschichte von mehr als 200 Jahren zurückblicken, denn es setzte seine Tätigkeit – sich von Generation zu Generation erneuernd und immer wieder verjüngend – ohne Unterbrechung bis zur Gegenwart fort. Es ist eines der am längsten existierenden Streichquartettensembles der Welt und mit Sicherheit das einzige, das einen so langen Zeitraum überdauert hat. Neben den Auftritten im eigenen Haus konzertierte das Gewandhaus-Quartett, das sich aus den Konzertmeistern, dem Solobratscher und dem Solocellisten des Gewandhausorchesters formiert, mit großem Erfolg auf Kammermusikfestivals in vielen Ländern Europas, in Japan, den USA und Südamerika.
In Privataudienz gaben die vier Musiker Konzerte vor dem japanischen Kaiser Akihito und dem britischen Thronfolger Prinz Charles. Bundespräsident Roman Herzog begleiteten sie auf seinem Staatsbesuch in Argentinien, mit der japanischen Fernsehgesellschaft NHK entstanden Filmproduktionen klassischer Musik. Im Juni 2006 gastierten sie, von einem Kamerateam des MDR begleitet, auf Einladung des spanischen Königs in Madrid und gaben im Palacio Real ein Konzert mit einem im Jahr 1709 von Antonio Stradivari gebauten Instrumentenquartett aus dem Besitz des spanischen Königshauses. 2016 erfolgte eine eine erneute Einladung durch den spanischen Palast.
Immer wieder musiziert das Gewandhaus-Quartett auch mit namhaften Solisten, unter ihnen Yo Yo Ma, Julian Rachlin, Sabine Meyer, Elisabeth Leonskaja, Alfred Brendel, Menahem Pressler, Rudolf Buchbinder oder Lars Vogt. Damit setzt es eine gute Tradition fort – gehörten doch zu seinen Partnern einst Künstler wie Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Max Reger und Arthur Nikisch, um nur einige zu nennen. Seit Beginn seines Bestehens setzt sich das Gewandhaus-Quartett für die Musik seiner Zeitgenossen ein. In der Vergangenheit wurden Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Max Bruch, Antonín Dvořák, Max Reger und Ferruccio Busoni aufgeführt.
In jüngerer Zeit gab es Uraufführungen von Kröger, Günter Kochan, Ermano Maggini, Dietmar Hallmann und Günter Neubert. Auch der langen Reihe von Plattenaufnahmen des Gewandhaus-Quartetts konnte das Ensemble wertvolle Neuerscheinungen hinzufügen. Die Aufnahme der späten Quartette von Beethoven wurde von der Zeitschrift „Klassik heute“ als „maßstabsetzende Interpretation“ und das Gewandhaus-Quartett als „eine der besten Quartettvereinigungen der Welt“ bezeichnet. Das gesamte Streichquartettwerk Beethovens liegt in einer attraktiven 10er-CD-Box vor. Diese Edition, die erste Gesamteinspielung von Beethovens Streichquartettwerk in der Geschichte des Gewandhaus-Quartetts, wurde 2004 mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Kammermusik ausgezeichnet. Die Aufnahme der drei Streichquartette op. 76 Nr. 2-4 von Joseph Haydn wurde vom Sender „Bayern 4 Klassik“ mit der Auszeichnung „Hörempfehlung“ prämiert. Weiterhin erschienen Aufnahmen mit Streichquartetten von Schumann und Mendelssohn, die das Gewandhaus-Quartett seinerzeit zur Uraufführung brachte.
Anlässlich seines 200. Geburtstages brachte das Ensemble ein Album mit Live-Aufnahmen heraus, darunter eine historische Aufnahme von 1928. Zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy erschien das komplette Streichquartettwerk des Komponisten. Seit 2012 ist das Quartett Quartett Ehrenmitglied des Vereins Beethoven-Haus Bonn. 2024 wurde ihm in der Kategorie Musik der „Internationale Mendelssohn-Preis“ der Stadt Leipzig verliehen
Andreas Lehnert
Andreas Lehnert wurde in Augsburg geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung an der Musikschule in Giengen an der Brenz. Nach dem Studium an den Musikhochschulen Stuttgart (bei Prof. Ulf Rodenhäuser) und Detmold (bei Prof. Hans Dietrich Klaus) war er von 1993-94 Solo-Klarinettist am Hessischen Staatstheater Darmstadt. Seit 1995 ist er in der gleichen Position am Gewandhausorchester Leipzig tätig.
Als Solist trat Andreas Lehnert unter anderem mit dem Gewandhausorchester, den Stuttgarter Philharmonikern, den Berliner Symphonikern und dem Leipziger Symphonieorchester auf.
Lehnert ist Mitglied des Gewandhaus-Bläserquintetts und Mitbegründer des armonia ensembles.
Zahlreiche Aufnahmen entstanden beim MDR, Deutschlandradio Berlin, RBB, NDR und dem SWR und bei den Labels Berlin Classics, Hänssler, Genuin und Querstand. Andreas Lehnert unterrichtete als Dozent der Stiftung Villa Musica und hatte Lehraufträge an der Leipziger Musikhochschule und an der TU Brandenburg in Cottbus. Derzeit ist er Mentor für Klarinette der Mendelssohn-Orchesterakademie des Gewandhausorchesters.
Vor kurzem veröffentlichte er eine Neuausgabe der 30 Capricen von Ernesto Cavallini beim renommierten Verlag Schott Music.