Musikalische Akademie Stuttgart

© Gabriel Habermann

Die Konzertreihe der Interpreten

Die Musikalische Akademie Stuttgart wurde 1989 von ihrem künstlerischen Leiter Prof. Ulf Rodenhäuser und Kurt Schunter (1929–1999) gegründet.

Unsere Zielsetzung war von Anfang an klar: Ein Kreis von renommierten Musikern, die einander in freundschaftlichem Teamgeist verbunden sind, wollte spannende, sinnvoll zusammengestellte Programme darbieten. Diese Konzeption kam und kommt bei unserem Publikum sehr gut an, das beweist uns die unvermindert rege Resonanz.

Programmatisch setzen wir auf eine Mischung aus den großen Meisterwerken und jenen ebenso wertvollen Raritäten, die aus unterschiedlichsten Gründen in den Archiven schlummern und nur darauf warten, endlich erfolgreich wiederaufgeführt zu werden. Dabei berücksichtigen wir alle kammermusikalisch relevanten Epochen, vom Barock über Klassik und Romantik bis hin zum Impressionismus und zur klassischen Moderne. Es freut uns besonders, wenn es nebenbei gelingt, rote Fäden zwischen den Werken zu ziehen und verborgene Zusammenhänge aufzudecken.

Der Kammermusik von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Johannes Brahms galt selbstverständlich stets unser ungeteiltes Interesse. Aber auch die zyklische Auseinandersetzung mit dem kammermusikalischen Schaffen von Claude Debussy, Maurice Ravel, Arnold Schönberg und Paul Hindemith zählt seit den Anfangsjahren zu den Höhepunkten unserer Akademieprograme. Auch dem bedeutsamen, damals noch weitgehend unbekannten Oeuvre vieler vom Naziregime verfolgten Komponisten haben wir uns bereits in den Neunzigerjahren gewidmet. Komponisten wie Pavel Haas, Rudolf Karel, Hans Krása, Erwin Schulhoff, Leo Smit und Viktor Ullmann, haben vielfach Eingang in unsere Programme gefunden.

Mehrere von der Musikalischen Akademie Stuttgart beauftragte Uraufführungen, u.a. von Isang Yun, Volker David Kirchner und Frank Michael Beyer, runden das Bild einer programmatisch breit aufgestellten Konzertreihe ab. Ohne geeignete Mitstreiter konnte der Aufbau einer neuen Reihe nicht gelingen, dies war Ulf Rodenhäuser, dem Spiritus rector und Künstlerischen Leiter der Musikalischen Akademie Stuttgart, von Anfang an bewusst. Der frühere Berliner Philharmoniker und Professor an der Stuttgarter Musikhochschule verfügte über zahlreiche Kontakte zu hervorragenden Kollegen und erfuhr Unterstützung von Ingo Goritzki, dem ebenfalls an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lehrenden Professor für Oboe. So gelang es in gemeinsamer Anstrengung, ein handverlesenes, hochkarätiges Ensemble zu etablieren und dabei auch hervorragende junge Musiker einzubeziehen, etwa aus dem Kreis der eigenen Studierenden. So mancher „rising star“ trat schon früh in unserer Reihe auf. Alle wunderbaren Musikerpersönlichkeiten aufzuzählen, die in den letzten 30 Jahren auf dem Podium der Musikalischen Akademie mitgewirkt haben, würde den Rahmen dieses kleinen Rückblicks sprengen. Einige wenige sollen aber genannt werden. So trugen drei große Geiger maßgeblich zum künstlerischen Erfolg der ersten Dekaden der Musikalischen Akademie bei: Thomas Brandis, Rainer Kussmaul und Nicolas Chumachenco.

Thomas Brandis war langjähriger erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker und gefeierter Kammermusiker als Primarius der Philharmonischen Solisten und des Brandis Quartetts. Auch Rainer Kussmaul wirkte als Nachfolger von Brandis bei den Berliner Philharmonikern, war dort ein Lieblingsmusiker Claudio Abbados, zugleich weltweit gesuchter Kammermusiker und renommierter Freiburger Hochschulprofessor. Nicolas Chumachenco, ebenfalls erfolgreicher Geigenprofessor in Freiburg, spielte als Primarius im Züricher Streichquartett und leitete das Kammerorchester Reina Sofía in Madrid.

Es war ein Glücksfall, dass alle drei Musiker im Zenit ihrer künstlerischen Erfahrung und Leistungsfähigkeit bereit waren, sich langfristig für die Musikalische Akademie Stuttgart zu engagieren. Sie haben zahllose Konzerte durch ihre Präsenz und musikalische Integrationskraft geprägt. Leider sind alle drei viel zu früh verstorben.

An ihre Stelle sind Erika Geldsetzer (Fauré Klavierquartett) und Christian Ostertag (Erster Konzertmeister des SWR-Sinfonieorchesters) getreten und setzen mittlerweile wichtige künstlerische Akzente in unserer Reihe. Doch auch Violinisten wie Christian Altenburger, Daniel Gaede (ehemals Konzertmeister der Wiener Philharmoniker), Eszter Haffner und andere mehr engagierten sich mit Elan und Kompetenz für unsere Matineen. Für die Zukunft bahnt sich die Wiederbelebung einer früher bereits erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Streicherkammermusikabteilung der Stuttgarter Musikhochschule an: Früher von dem Wiener Geiger Gerhard Schulz geleitet, setzen sich heute die neuberufenen Professoren Martin Funda, Violine, und Tristan Cornut, Violoncello, für die Integration des hochbegabten musikalischen Nachwuchses in die Konzertwelt ein.

Unter den Bratschisten in den Programmen der Musikalischen Akademie stechen zwei Namen hervor: Enrique Santiago und Hariolf Schlichtig. Diese beiden haben den Mittelstimmen in den jeweiligen Ensembles zu blühendem Leben und eindrucksvoller Intensität verholfen. 

Zu den unermüdlichen Protagonisten der ersten Stunde der Musikalischen Akademie und bis heute zählt auch der Cellist Martin Ostertag, der sich weit über Landesgrenzen hinweg einen hervorragenden künstlerischen und pädagogischen Ruf erworben hat.

Regelmäßig zu Gast auf unserem Podium sind auch die Cellisten Patrick Demenga und Wen-Sinn Yang. Weitere prominente Vertreter der Cellistengilde, nämlich David Geringas, Valentin Erben (Alban Berg Quartett), Helmar Stiehler und Gustav Rivinius haben mehrfach bei unseren Matineen gastiert.

Unbedingt erwähnen möchten wir den Ausnahmekontrabassisten Wolfgang Güttler, der Mitspieler wie Zuhörer sowohl durch sein Spiel als auch durch seine komödiantische Begabung stets in wahres Entzücken zu versetzen vermochte!

Bei den Pianisten kommt manchem treuen Besucher aus den Anfangsjahren unserer Matineen bestimmt ein wunderbarer Klangzauberer in den Sinn, der amerikanische Pianist Leonard Hokanson. Über viele Jahre hinweg hat dann der vielfach preisgekrönte Este und Wahlkarlsruher Kalle Randalu anspruchsvollste pianistische Aufgaben souverän gemeistert. Mit Silke Avenhaus tritt bei uns regelmäßig eine in der Kammermusikwelt hochgeschätzte Pianistin auf.


Den Reigen der Bläser eröffnet der menschlich wie künstlerisch unvergessene französische Flötist Jean-Claude Gérard, dessen intensiver, silbriger Flötenton einmütig faszinierte. Er hat in Andrea Lieberknecht eine ebenbürtige, international angesehene Nachfolgerin gefunden. In die Fußstapfen des glänzenden Oboisten Ingo Goritzki traten mit Washington Barella, Yeon-Hee Kwak und Christian Wetzel seine früheren, längst etablierten Studierenden bzw. mit Christian Schmitt sein Nachfolger an der Stuttgarter Musikhochschule.

Überhaupt spielen die Bläserprofessoren der Musikhochschule – neben Christian Schmitt Klarinettist Norbert Kaiser, Hornist Christian Lampert und Fagottist Marc Engelhardt – zusammen mit ihren Studierenden eine besondere Rolle in unseren Konzerten, mit regelmäßigen Auftritten ihres Ensembles Stuttgarter Bläserakademie.

Ulf Rodenhäuser, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker während der Ära Karajan und anschließend langjähriger Stuttgarter bzw. Münchner Hochschullehrer, war über viele Jahre ein kompetenter Interpret der jeweiligen Klarinettenpartien, häufig auch gemeinsam mit seinen Studierenden. Er hat sich vor kurzem zwar vom Instrument zurückgezogen, bleibt der Akademie aber als konzeptioneller Impulsgeber und Künstlerischer Leiter erhalten.


Das Horn scheint originär zu den Blechblasinstrumenten zu zählen. Die Hornisten Radovan Vlatković und Christian Lampert haben durch ihr feinfühliges Spiel stets aufs Neue nahegelegt, dass ihr Instrument eigentlich von der Familie der etwas zarteren Holzblasinstrumente adoptiert werden sollte! Mit Dag Jensen schließlich erfreuen wir uns seit Jahren an einem international begehrten Fagottstar in unseren Reihen.

Musikbegeisterte Stuttgarter Bürger waren es, die unsere Akademie anfänglich durch großzügige Spenden überhaupt erst ermöglicht haben, allen voran der für uns alle unvergessliche Kurt Schunter, Notar in Bad Cannstatt und passionierter Kunstmäzen. Erst später haben sich dann die Landeshauptstadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg als institutionelle Förderer angeschlossen.

Es ist nun schon eine Weile her, dass es Horst Koegler, der legendäre Feuilletonredakteur der Stuttgarter Zeitung auf den Punkt gebracht hat: „Das Stuttgarter musikalische Sonntagsvergnügen hat einen Namen – Musikalische Akademie!“ Wir meinen, dass diese Charakterisierung unverändert Bestand hat und laden Sie alle herzlich ein, an unserem Vergnügen teilzuhaben, und zwar einmal monatlich sonntags um 11!

Künstlerischer Leiter

© Privat

Ulf Rodenhäuser

Der gebürtige Nürnberger hat in Nürnberg und München studiert und war langjähriger Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker sowie des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Seine vielfältigen Aktivitäten als Kammermusiker mit prominenten Partnern führten ihn in fast alle Musikzentren der Welt. Er war Mitglied des Philharmonischen Oktetts Berlin und über 20 Jahre hinweg Partner des Melos Quartetts Stuttgart. Mit den Kammermusikgruppen Ensemble Villa Musica und Deutsche Bläsersolisten konzertierte er in Deutschland, Europa, Asien und Nordamerika.

Viele seiner zahlreichen Schallplatten- und CD-Aufnahmen sind mit Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem Cannes Classical Award, dem Deutschen Schallplattenpreis, dem Echo Klassik und dem französischen Cinq Lyres. Er beauftragte Kompositionen bzw. war an Uraufführungen zahlreicher zeitgenössischer Komponisten beteiligt, u.a. Gija Kancheli, Volker David Kirchner, Krzysztof Meyer, Lepo Sumera, Karlheinz Stockhausen und Isang Yun.

Ulf Rodenhäuser wurde im Jahr 1980 als Professor an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart berufen. Ab 1995 lehrte er an der Hochschule für Musik und Theater München in den Fächern Klarinette und Kammermusik. 

Daneben wirkt er konzeptionell als Programmgestalter. 

Bei der staatlichen Musikstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz entwickelte er ein breit angelegtes Kammermusik- und Ausbildungsprogramm und prägte es über 20 Jahre hinweg verantwortlich.
In München hat er die noch heute bestehenden Odeon Konzerte der dortigen Hochschule für Musik und Theater ins Leben gerufen und deren Programme definiert.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1990 ist er der Künstlerische Leiter der Musikalischen Akademie Stuttgart.

Spielstätte

© Gabriel Habermann

Weißer Saal im Neuen Schloss Stuttgart 

Der Weiße Saal im neuen Schloss Stuttgart wird als Kultur- und Veranstaltungsort genutzt. Erbaut wurde der Festsaal durch den württembergischen Hofarchitekten Philipp de la Guêpière (1715-1773) zwischen 1760 und 1762. Der Name „Weißer Saal“ rührt von der ganz in weiß gehaltenen Stuckausstattung des Saales her. Nach der Zerstörung des Schlosses im 2. Weltkrieg wurde der Saal nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Seine für kammermusikalische Aufführungen herausragend geeignete Akustik wird von Publikum und Musikern gleichermaßen geschätzt und hat ihn zu „dem“ gesuchten Ort für Kammermusik in Stuttgart werden lassen.

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