| Stuttgart: Sonntagsmatinee der Musikalische Akademie
Wenn das Wasser träumt Betrachtungen von Erwin Schwarz in den Stuttgarter Nachrichten zur 2. Matine 2008/2009 |
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| 18 Jahre nach ihrem Debüt sitzen die Gründerväter der Musikalischen Akademie Stuttgart nach wie vor auf dem Podium des Weißen Saals: führende Bläserprofessoren wie Rodenhäuser, Goritzki, Gerard und ihre Streicherkollegen Chumachenko, Ostertag und Güttler samt dem unverwüstlichen Kalle Randalu. Eine gemütliche Seniorenrunde im Stuttgarter Dornröschenschloss hätte daraus werden können. Aber weit gefehlt. Die Sonntagvormittagsszene vor 400 Besuchern widerlegt alle Vorstellungen von musikalischer Gemütlichkeit. Frische Gesichter spiegeln Leistungswillen, sensible Kammermusikpartner garantieren klangliche Betörung, technische Überlegenheit ermöglicht das feine Glitzern der Musik. Wer im Neuen Schloss auftritt, ist im qualitativen Oberhaus daheim. Dem Novemberprogramm hatte der künstlerische Leiter, Klarinettenprofessor Ulf Rodenhäuser, den Titel "Sternenklänge" auf den Weg gegeben. Zwei Werke des japanischen Komponisten Toru Takemitsu, der laut eigener Meinung das Wasser träumen hörte, standen im Mittelpunkt des Programms. "Le file d'etoiles" für Flöte und Harfe und "Rain Spell" für Kammernsemble. In dieser Musik trifft das Pulsieren der Natur in komplex konstruierten Klängen mit visionärem Schwärmen zusammen, reiche Gelegenheit also für den Flötisten Davide Formisano und die Harfenistin Luisa Prandina, nicht nur Töne sondern auch Stimmungen des Sternensohnes zu treffen und zugleich besonderes Niveau zu beweisen: Beide sind Solisten der Mailänder Scala. So saß man, insbesondere im "Regenzauber" danach, wie in einem japanischen Garten, sah die Flötenlinie am Himmel, hörte den Harfenklang wie Wolken darunter und den Regen um sich zu Boden klatschen (mit Rodenhäuser, Randalu und Florian Body). Prachtvolles Können auch im Rahmenprogramm. Verlorene Sehnsucht dominierte in Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe (mit dem Bratscher Benjamin Rivinius), und großartige Aufwallungen von romantischer Poesie gab es beim abschließenden Klavierquartett Nr. 2 g-Moll von Gabriel Fauré: motorische Kraft und melodische Seligkeiten in stetem Austausch wie beim Zauberlehrlingsgeschehen vom leisen Tröpfeln bis zum Flutschwall der Klänge. Besonderer Herrenstolz auf dem Podium: Erstmals wirkte die aus einer Musikerfamilie mit lettischen Vorfahren stammende junge Geigerin Sophia Jaffé bei einem Konzert der Musikalischen Akademie mit und eroberte die Aufmerksamkeit des Publikums im Handstreich.
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